Modellklassenzimmer

Gestaltung von Lernräumen als zentraler Schlüssel für Gesundheit, Wohlbefinden und erfolgreichen Unterricht

Im Schulamtsbezirk Nürnberger Land wurde gemeinsam mit führenden Unternehmen im Bereich Schulmöbel, Raumgestaltung und digitaler Lehr-Lern-Technologien ein innovatives Modellklassenzimmer für Schüler- und Lehrergesundheit entwickelt. Ziel dieser Initiative ist es, zeitgemäße pädagogische Konzepte mit ergonomischer Ausstattung und digital unterstützten Unterrichtsformen zu verbinden. Das Musterklassenzimmer an der Mittelschule in Schnaittach dient Schulen als Erprobungs-, Fortbildungs- und Demonstrationsraum, in dem moderne Lernräume praxisnah erlebt und weiterentwickelt werden können. Das Schulamt übernimmt hierbei die pädagogische Konzeption, die methodisch-didaktische Beratung sowie die fachliche Abstimmung der eingesetzten Möbel- und Digitalprodukte mit den aktuellen Anforderungen der Mittelschule.

Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler sind im Schulalltag einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Neben steigenden fachlichen Anforderungen spielen vor allem Lärm, Stress und ungünstige räumliche Bedingungen eine zentrale Rolle. Schlechte Raumakustik, beengte Verhältnisse, unflexible Möblierung und wenig durchdachte Raumkonzepte erschweren Lernen und Lehren gleichermaßen.

Moderne Lernräume sind daher kein „Luxus“, sondern ein wesentlicher Faktor für Gesundheit, Motivation, Konzentration und Unterrichtsqualität. Je besser der Raum auf pädagogische Anforderungen abgestimmt ist, desto leichter gelingt guter Unterricht – und desto eher können Lehrkräfte und Lernende ihre Potenziale entfalten.

Schlechte Akustik ist einer der größten – oft unterschätzten – Störfaktoren im Unterricht. Sie erschwert das Sprachverständnis, führt zu ständiger Lautstärkeanpassung, fördert Missverständnisse und erhöht den Stresspegel für alle Beteiligten.

Bei Schülerinnen und Schülern wirkt sich eine zu hohe Nachhallzeit und ein hoher Geräuschpegel unter anderem negativ aus auf:

  • Spracherwerb und Sprachverständnis,
  • Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit,
  • Arbeitsgedächtnis und Merkfähigkeit,
  • Sozialverhalten und Konfliktdynamiken.

Für Lehrkräfte bedeutet schlechte Akustik: ständige Stimmüberlastung, erhöhte Anspannung, schnelleres Ermüden und damit langfristig ein höheres Gesundheitsrisiko.

Das Modellklassenzimmer folgt einem Zieldreiklang, der drei Bereiche miteinander verbindet:

  1. Innovative pädagogische Konzepte
    Unterrichtsformen wie Differenzierung, Inklusion, Teamarbeit, Projektarbeit und digital unterstütztes Lernen sollen räumlich unterstützt werden – statt gegen den Raum „anzukämpfen“.
  2. Attraktive und flexible Lernumgebungen
    Räume sollen flexibel nutzbar, motivierend, übersichtlich und ansprechend gestaltet sein, damit sie verschiedene Lernsettings (Plenum, Gruppen, Einzelarbeit, Rückzug) ermöglichen.
  3. Der Raum als wirksamer Rahmen
    Akustik, Licht, Klima, Möblierung und Farben werden gezielt so gewählt, dass sie Konzentration, Wohlbefinden und Lernbereitschaft fördern.

Erst im Zusammenspiel dieser drei Ebenen entsteht ein wirklich zeitgemäßer Lernraum.

Nein. Bei der Entwicklung des Modellklassenzimmers geht es ausdrücklich nicht um Werbung für einzelne Hersteller oder Produkte. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Lernräume generell – unabhängig vom Anbieter – so gestaltet werden können, dass sie gesundheitsförderlich und pädagogisch sinnvoll sind.

Externe Partner wurden eingebunden, um konkrete Lösungsmöglichkeiten praktisch zu erproben und ihre Wirkung im Alltag zu überprüfen. Der Fokus liegt dabei auf den Funktionen und Effekten (zum Beispiel bessere Akustik, flexible Möblierung, hilfreiche digitale Unterstützung) – nicht auf der Marke.

Das Modellklassenzimmer versteht sich als Orientierungs- und Entwicklungsraum für Schulen, nicht als Ausstellungsfläche für Anbieter.

Im Rahmen des Leuchtturmprojekts konnten deutliche Verbesserungen dokumentiert werden – insbesondere im Bereich der Akustik. Durch gezielte Maßnahmen wie akustisch wirksame Decken- und Wandelemente sowie eine angepasste Möblierung wurde die Nachhallzeit im Raum deutlich reduziert.

Die Wahrnehmung der Beteiligten zeigt:

  • Der Unterricht wird ruhiger und strukturierter erlebt.
  • Lehrkräfte müssen weniger laut sprechen und werden stimmlich entlastet.
  • Schülerinnen und Schüler berichten von besserem Verständnis und weniger Ablenkung.

Ergänzend dazu führt die flexible Raumgestaltung zu mehr Bewegungsmöglichkeiten, variablen Lernsettings und einer insgesamt positiveren Lernatmosphäre.

Das Modellklassenzimmer versteht den Klassenraum nicht nur als „Behälter“ für Unterricht, sondern als aktiven Mitgestalter von Lernprozessen. Unterschiedliche Zonen im Raum – etwa für Input, Austausch, Rückzug, praktisches Arbeiten oder Bewegung – machen verschiedene Lernformen überhaupt erst praktisch möglich.

Der Raum lädt damit zu selbstständigem, kooperativem und entdeckendem Lernen ein. Er bietet „Möglichkeitenräume“, in denen Schülerinnen und Schüler je nach Aufgabe und Bedarf den passenden Lernort wählen können.

Für Lehrkräfte entsteht so ein flexibles Setting, das vielfältige Methoden unterstützt und individuelle Förderung erleichtert.

Digitale Medien, Präsentationssysteme und KI-gestützte Anwendungen bringen neue Chancen in den Unterricht – sie erhöhen aber auch die Komplexität im Klassenraum. Mehr Geräte, mehr Bildschirme und mehr „Tonquellen“ bedeuten ohne passende Raumgestaltung oft auch mehr Lärm.

Das Modellklassenzimmer zeigt, wie Digitalisierung und Raumgestaltung zusammengedacht werden können:

  • Digitale Endgeräte sind in flexible Möbelkonzepte eingebunden.
  • Präsentationsflächen sind so angeordnet, dass alle gut sehen und hören können.
  • Akustische Maßnahmen sorgen dafür, dass die zusätzliche Technik nicht zur „Lärmquelle“ wird.

So entstehen Lernräume, in denen digitale Medien sinnvoll und lernförderlich genutzt werden können.

Ja. Das Modellklassenzimmer steht Schulen und anderen Interessierten nach Absprache zur Besichtigung zur Verfügung. Es kann für Führungen, Beratungsgespräche, Fortbildungen und Workshops genutzt werden.

Ziel dieser Besuche ist es, konkrete Eindrücke aus der Praxis zu vermitteln:

  • Wie fühlt sich ein akustisch optimierter Raum an?
  • Wie lassen sich unterschiedliche Lernzonen im Alltag nutzen?
  • Welche Ideen lassen sich auf die eigene Schule übertragen?

Terminabsprachen erfolgen über das Staatliche Schulamt im Nürnberger Land.

Das Staatliche Schulamt im Nürnberger Land begleitet Schulen bei der Entwicklung moderner Lernräume in mehreren Schritten:

  • Beratung zu pädagogischen Zielen und Raumkonzepten,
  • Unterstützung bei der Analyse bestehender Räume,
  • Vermittlung von Erfahrungswerten aus dem Modellklassenzimmer,
  • Abstimmung mit Sachaufwandsträgern und weiteren Partnern,
  • Fortbildungs- und Workshopangebote für Kollegien.

Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, wie Raumgestaltung, Unterrichtskonzept und Gesundheitsschutz sinnvoll zusammengeführt werden können.

Die Finanzierung der Gestaltung moderner Lernräume kann je nach Schule und Kommune unterschiedlich aussehen. In Frage kommen zum Beispiel:

  • Mittel der Sachaufwandsträger (Städte, Gemeinden, Landkreis),
  • Förderprogramme zur Digitalisierung und Schulentwicklung,
  • gezielte Projekte im Bereich Inklusion oder Ganztag,
  • Unterstützung durch Stiftungen oder regionale Partner,
  • schrittweise Umsetzungen in Etappen, um Budgets zu entlasten.

Das Schulamt kann dabei helfen, Bedarfe zu benennen, Prioritäten zu setzen und sinnvolle Umsetzungsschritte zu planen.

Auch ohne aufwändige Umbauten lassen sich viele Verbesserungen umsetzen:

  • Akustik verbessern: mobile Stellwände, Teppiche in definierten Bereichen (sofern zulässig), Filzgleiter an Stuhl- und Tischbeinen, bewusst gesteuerte Lautstärkeregeln im Unterricht.
  • Möbel flexibel anordnen: Gruppenarbeitsinseln, Rückzugsplätze, klare Wegeführung, Nutzung verschiedener Sitz- und Stehmöglichkeiten.
  • Lernzonen definieren: Bereiche für ruhiges Arbeiten, Zonen für Austausch, Plätze für Präsentationen und praktische Tätigkeiten.
  • Licht und Farben nutzen: freundliche, ruhige Farbtöne und eine gute Ausleuchtung unterstützen Konzentration und Wohlbefinden.
  • Digitale Medien bewusst einbinden: klare Regeln für Nutzung und Lautstärke, sinnvolle Positionierung von Displays und Lautsprechern.

Oft bewirken schon kleine, gut überlegte Veränderungen eine deutlich spürbare Verbesserung der Lern- und Arbeitsatmosphäre.